47. dghd-Jahrestagung 2018
Hochschuldidaktik als professionelle Verbindung von Forschung, Politik und Praxis
27. Februar bis 2. März 2018
© copyright by
Karlsruher Institut für Technologie
Allgemeine Services – Crossmedia

 

Hochschuldidaktik als professionelle Verbindung von Forschung, Politik und Praxis

Grußwort am 28.02.18

 

Ich freue mich, Sie hier so zahlreich zur 47. Jahrestagung der dghd am KIT begrüßen zu dürfen. Das Interesse an dieser Tagung zeigt, wie wichtig das Thema Lehre geworden ist. 520 Anmeldungen haben unsere Erwartungen übertroffen.

Ich begrüße Sie zum einen als Professorin am Karlsruher Instituts für Technologie als Gastgeber dieser Tagung und zum anderen im Namen des dghd-Programmkomitees, das sich vor allem (aber nicht nur) für die inhaltliche Ausrichtung dieser Tagung verdient gemacht hat.

Verbindungen zwischen Forschung, Politik und Praxis ist unser Thema und natürlich ist die Qualität dieser Verbindungen von Interesse: Was macht sie professionell? Was gehaltvoll? Was schafft eine Grundlage – was schafft Grundbedingungen für ein vernünftiges Handeln im hochschuldidaktischen Kontext?

Verbindungen können lose oder eng, sie können eher emotionale oder eher rationale Aspekte haben, sie können auf Vertrauen oder auf Verträgen basieren und sie können Abhängigkeit oder Unabhängigkeit implizieren.

Aber: Worauf kommt es in der Verbindung zwischen Forschung, Politik und Praxis aus hochschuldidaktischer Sicht an?

Eine Antwort soll nicht vorweggenommen werden. Schließlich ist diese Tagung selbst ein geeigneter Ort, um zusammen darüber zu reflektieren, nach Antworten zu suchen, neue Ansätze zu entdecken und zu diskutieren.

Wichtig ist dabei sicherlich der Rahmen, in dem wir die Frage nach professionellen Verbindungen verorten.

Das kann zum einen der lebenspraktische Rahmen sein:

Viele müssen sich fragen: Was wird nach dem Qualitätspakt Lehre oder nach Auslaufen meines Projekts aus meiner Stelle? Wie geht es mit mir weiter? Wie kann das Erzielte weiter genutzt und die gemachte Erfahrung weitergetragen werden? Auch wenn eine Verstetigung der Qualitätspakt-Lehre-Mittel mit dem Koalitionsvertrag schon verheißungsvoll im Raum steht, schon zu lange ist sowohl die hochschuldidaktische Arbeit als auch der wissenschaftliche Mittelbau von einer höchst prekären Beschäftigungssituation betroffen. Das ist nicht nur ein Problem der Praxis. Niemand kann leugnen, dass der Druck der Ungewissheit, der auf vielen hochschuldidaktischen Leistungsträgern lastet, kein politisches Problem wäre.

Das Ausmaß, wie an Universitäten und Hochschulen durch das Wissenschaftszeitvertragsgesetz befristet beschäftigt werden darf und wird, ist bekanntlich allerorts sehr groß, so dass eine politische Lösung dieses Problems drängt. Die Frage ist dann aber nicht nur, wie arbeitsrechtliche Änderungen aussehen müssten, sondern auch, ob nicht auch das Ausmaß der Projektfinanzierung im ganzen Wissenschaftssystem eingedämmt werden müsste zugunsten einer verbesserten Grundfinanzierung. Diese Verbindung zwischen Politik und Forschung kann morgen u.a. im Streitgespräch zwischen dem ehemaligen Vorsitzenden des Wissenschaftsrats, Manfred Prenzel, und Gabi Reinmann weiter verfolgt werden.

Stellen wir zweitens die Frage nach professionellen Verbindungen zwischen Forschung, Politik und Praxis in den organisationalen Rahmen der Universitäten und Hochschulen, dann wird die Frage virulent, welche Erwartungen sich heute an Hochschuldidaktikstellen richten:

Zunehmend wird die Hochschuldidaktik in Prozesse eingebunden, um organisationale Ziele zu erreichen. Damit steht sie heute längst nicht mehr nur in Beziehung zu Lehrenden, um sie ganz individuell zu unterstützen und zu fördern.

Sie steht nun auch in dem größeren Rahmen von Hochschulorganisation und Wissenschaftspolitik, wo es heute mehr denn je um die Wettbewerbschancen der eigenen Hochschule geht.

Aus diesem Grund verändern sich auch Anfragen an Hochschuldidaktiker*innen, wie es Daniel Al-Kabbini schon für die letzte dghd-Tagung so schön in seinen Comics eingefangen hat.

Siehe https://www.creaversity.de/philosophie.html dghd17-09_orig.jpg

Für hochschuldidaktisches Handeln ist die organisationale Ebene von Qualitäts- bis Diversity-Management ein völlig anderer Rahmen als der fachdidaktische. Die Keynotes heute von Torgny Roxa und am Freitag von Tobias Scheytt werden die Perspektive von Governance und Organisation Hochschule kritisch ausleuchten.

Es ist mir wichtig, dass wir über diese strukturellen Veränderungen im Feld der Hochschuldidaktik reflektieren. Denn vieles geschieht dabei unausgesprochen: Plötzlich bemerkt man, dass Zielsetzungen und Erwartungen konfligieren, dass vieles gar nicht richtig geregelt ist, dass der zeitliche und personelle Rahmen nicht stimmt, und nicht selten wird das, was auf der organisationalen Ebene aus dem Ruder läuft, auf einmal persönlich und belastet psychisch.

Auf diese Weise entsteht vielleicht auch der Wunsch, einen nüchternen distanzierenden Blick einnehmen zu können. Und dies wird z.T. von Seiten der Forschung mittels „Faktenwissen“ beantwortet.

Fakten zu suchen und zu liefern, ist zweifellos eine wichtige Aufgabe von Forschung. Aber wir brauchen auch ein hochschuldidaktisches „Professionswissen“.

Beziehungen zwischen Lehrenden und Lernenden lassen sich nicht nur vermittels Faktenkenntnis gestalten. Wichtig ist deshalb auch die wissenschaftliche Reflexion der jeweiligen Verantwortung.

Dies wird schwierig, wenn Bildung wie ein subjektloser technische Prozess behandelt wird. Und die Frage nach Authentizität, die jedes didaktische Handeln begleitet, verschwindet dahinter.

Wir werden morgen dies mit der Keynote von Carolin Kreber weiterdenken können.

Unser Tagungsthema ist, wie Sie sehen, facettenreich und eröffnet den Raum für Diskussion um hochaktuelle Fragen.

In diesem Sinne lade ich dazu ein, Verbindungen nicht einfach instrumentell als ein strategisches Networking zu sehen, sondern ganz breit darüber nachzudenken, was uns insgesamt stärker verbinden würde.

Ich wünsche Ihnen allen eine anregende Tagung!

Ines Langemeyer